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Stimmen zum Verkauf von Elevator

Die wichtigsten Fragen zum Verkauf des Aufzugsgeschäfts beantworten Martina Merz, CEO der thyssenkrupp AG, Peter Walker, CEO von thyssenkrupp Elevator, sowie für die Erwerber Ranjan Sen, Managing Partner von Advent International, und Bruno Schick, Partner und Head of DACH Region von Cinven. Auch unseren beiden Großaktionäre und die IG Metall äußern sich zu dem Verkauf.

„Das Beste für den Konzern und für Elevator“

Martina Merz

Peter Walker

Ranjan Sen

Bruno Schick

Drei Fragen an Martina Merz, CEO thyssenkrupp AG

Was sind die Gründe dafür, dass sich Vorstand und Aufsichtsrat für eine Vereinbarung mit dem Bieterkonsortium um Advent, Cinven und RAG­Stiftung entschieden haben?

Martina Merz: Lassen Sie mich zunächst einmal sagen: Heute ist ein guter Tag. Mit viel Einsatz haben wir eine sehr gute Lösung zustande bekommen, auf die wir stolz sein können. Der Verkaufserlös ist höher als von vielen erwartet. Trotzdem fällt der Schritt natürlich nicht leicht. Wir lassen die Mitarbeitenden von ET nur ungern ziehen. Deshalb haben wir uns bei der Entscheidung an klaren Kriterien orientiert. In erster Linie waren das die Transaktionssicherheit, die Geschwindigkeit und natürlich auch der wirtschaftliche Wert für thyssenkrupp. Nach sorgfältiger Abwägung aller Kriterien ist die Entscheidung für das Bieterkonsortium um Advent, Cinven und die RAG­Stiftung gefallen – aus unserer Sicht das Beste sowohl für den Konzern als auch für Elevator. Ein Vollverkauf schafft für thyssenkrupp als Unternehmensgruppe den größten Wert. Aber auch die Mitarbeitenden von Elevator profitieren. Mit den neuen Eigentümern bekommt das Aufzuggeschäft starke Partner. Außerdem wurde eine weitreichende Best­ und Fair­Owner­Vereinbarung abgeschlossen. Vorteilhaft für die Mitarbeitenden war, dass mit beiden bis zum Schluss verbliebenen Bietern parallel dazu verhandelt wurde. Das war ein außergewöhnliches Vorgehen und sehr kreativ. Denn diese Konkurrenzsituation hat zu einem merklich besseren Ergebnis für die Mitarbeitenden von Elevator geführt. Also: Die Ausgangslage für Elevator ist gut und bietet eine klare Zukunftsperspektive.

Was macht thyssenkrupp nun mit dem Geld aus dem Verkauf von Elevator? Profitieren davon auch unsere Geschäfte?

Martina Merz: Die Erlöse aus der Veräußerung schaffen die Voraussetzung, um thyssenkrupp wieder erfolgreich zu machen. Wir planen, die Mittel zur Entschuldung und zur Senkung unserer Strukturkosten zu nutzen. Konkret wollen wir einen Teil unserer Pensionsverpflichtungen ausfinanzieren und unsere Finanzschulden deutlich reduzieren. Durch die Veräußerung werden wir also unsere finanzielle Solidität verbessern. Erst damit erhalten wir mehr Spielraum für die Entwicklung des Unternehmens und den weiteren Umbau von thyssenkrupp. Vorrangiges Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens schnell und substanziell zu verbessern – das meinen wir mit „Performance first“.

Sie haben mehrfach gesagt, dass die Elevator­Transaktion Voraussetzung dafür ist, eine langfristige Strategie für thyssenkrupp definieren zu können. Welches Zielbild haben Sie für thyssenkrupp im Kopf? Wann hören wir mehr zur Strategie? Und was sind die nächsten Schritte?

Martina Merz: Nach dem Verkauf von Elevator haben wir Klarheit, welche Mittel uns künftig zur Verfügung stehen. Es ist jetzt schon klar, dass thyssenkrupp eine Gruppe von Unternehmen mit stark spezialisierten Geschäften und einer schlanken Zentrale sein wird. In Zukunft stehen die Geschäfte untereinander im Wettbewerb um Finanzmittel. Vor diesem Hintergrund werden die Führungsmannschaften der Geschäfte bis zur Aufsichtsratssitzung im Mai ihre Zukunftspläne vorstellen. So können wir als Konzernvorstand detailliert bewerten, welches Potenzial die einzelnen Geschäfte haben, welche Mittel sie benötigen und welche Eigentümerstruktur ihnen jeweils eine bestmögliche Entwicklung eröffnet. Auf dieser Basis können wir beurteilen, wie wir die Mittel aus der Transaktion konkret verwenden werden. Wir wollen die Geschäfte befähigen, ihr volles Potenzial zu heben. Dazu ist es erforderlich, jeden Stein umzudrehen. Erst danach wissen wir, welche Steine zu einer tragenden Säule von thyssenkrupp werden können. Ich könnte mir vorstellen, dass thyssenkrupp perspektivisch auf zwei Säulen ruht. Zum einen auf Gesellschaften, die zu 100 Prozent thyssenkrupp gehören. Und zum anderen auf Geschäften, an denen das Unternehmen lediglich beteiligt ist – z.B. über Allianzen. Auf dem Weg in die Zukunft von thyssenkrupp ist die Veräußerung von Elevator ein wichtiger Schritt. Damit haben wir wieder Wasser unterm Kiel und können Fahrt aufnehmen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Drei Fragen an Peter Walker, CEO thyssenkrupp Elevator

Freuen Sie sich über die Entscheidung für Investor Advent, Cinven und die RAG­Stiftung? Was bedeutet diese Entscheidung für das Aufzuggeschäft?

Peter Walker: Unser klares Ziel als Managementteam des Aufzuggeschäfts ist es, das Unternehmen auf die nächste Stufe zu heben. Daher sind wir davon überzeugt, dass das Konsortium um Advent, Cinven und die RAG­Stiftung ein starker Partner für tk Elevator ist. Sie bringen unterschiedliche Stärken ein und verfügen über beträchtliche Erfahrung im Industrie­ und Business Service­Sektor sowie über eine starke Präsenz in Deutschland. Ich hatte bereits die Gelegenheit, mit unseren neuen Eigentümern zu sprechen, die sich dazu verpflichtet haben, finanzielle Mittel für den Ausbau unserer globalen Präsenz, insbesondere in Asien, für zusätzliche Akquisitionen sowie für unsere Produkte und Technologien bereitzustellen. Wir profitieren von ihrer globalen Reichweite und Expertise im Industrie­ und Business Service­Sektor. Das Konsortium um Advent, Cinven und die RAG­Stiftung wird tk Elevator aktiv beim weiteren Ausbau seiner führenden Marktposition unterstützen.

Was sind die nächsten Schritte für thyssenkrupp Elevator?

Peter Walker: Nach der endgültigen Entscheidung durch die thyssenkrupp AG ist die Unterzeichnung des Kaufvertrags zwischen dem Unternehmen und dem Konsortium um Advent, Cinven und der RAG­Stiftung erfolgt. Ein mögliches Closing erwarten wir spätestens bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres. Mit der Unterzeichnung ist die Transaktion jedoch noch nicht abgeschlossen. Sie steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Fusionskontrolle – wobei es keine Bedenken gibt, dass die zuständigen Behörden Vorbehalte haben. Solange die Transaktion noch nicht vollzogen ist, hat der Prozess keine unmittelbaren Auswirkungen, weder auf das Tagesgeschäft von tk Elevator noch auf unsere Mitarbeitenden.

Ist die Entscheidung eine gute oder schlechte Nachricht für die Mitarbeitenden von Elevator?

Peter Walker: Das sind auf jeden Fall gute Nachrichten für unsere Mitarbeitenden. Mit dem erfolgreichen Carve­out hatten wir den ersten Meilenstein erreicht, als eigenständiges Unternehmen zu agieren. Jetzt können wir zusammen mit unseren neuen Eigentümern um Advent, Cinven und der RAG­Stiftung unsere globale Wachstumsstrategie noch zielgerichteter umsetzen und unsere führende Marktposition weiter umsetzen. Als unabhängiges Elevator&Escalator­Unternehmen werden wir nun noch mehr vom großen Unternehmergeist in unserer Organisation profitieren. Dies ist nicht nur sehr gut für unser Unternehmen und unsere Mitarbeitenden, die täglich an der Zukunft des Aufzuggeschäfts arbeiten, sondern auch für unsere Kunden. Ihre Zufriedenheit ist die Grundlage unseres Erfolgs.

Drei Fragen an die Erwerber Ranjan Sen, Managing Partner von Advent International, und Bruno Schick, Partner und Head of DACH Region von Cinven

Warum kaufen Sie das Elevator­Geschäft? Was sind Ihre Pläne für das Unternehmen?

Ranjan Sen: In erster Linie liegt das an der starken Marktpositionierung von thyssenkrupp Elevator, die wir sehr schätzen, und insbesondere auch an den engagierten und loyalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Wir sind auch extrem beeindruckt vom Hightech­Produktportfolio von thyssenkrupp Elevator, der technischen Kompetenz und der Innovationsfähigkeit des Unternehmens.

Wir sind davon überzeugt, dass die Märkte für Aufzüge und Fahrtreppen ein starkes, langfristiges strukturelles Wachstumspotenzial bieten.

Bruno Schick: Und das bedeutet, dass wir auch weiter international expandieren wollen, insbesondere in China, und durch Produktinnovationen, zum Beispiel durch neue, energieeffiziente Industrielösungen. Zudem planen wir den weiteren Ausbau des Servicegeschäfts.

Wir freuen uns darauf, das Unternehmen gemeinsam mit den hoch qualifizierten und motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterzuentwickeln. Wir werden diese Strategie durch unsere operative Erfahrung und den Zugang zu Kapital aktiv unterstützen, um einen globalen Innovations­ und Technologieführer zu schaffen.

Wer sind Sie und Ihre Partner? Wie lautet Ihre Anlagephilosophie und ­strategie?

Ranjan Sen: Advent ist eine der erfahrensten und erfolgreichsten Private­Equity­Gesellschaften in Deutschland und weltweit. Mit mehr als 350 Transaktionen in fünf Kernbereichen in 41 Ländern haben wir immer wieder unsere Fähigkeit unter Beweis gestellt, Unternehmen nachhaltig und erfolgreich weiterentwickeln zu können.

Bruno Schick: Cinven hat eine starke Leistungsbilanz in Deutschland. Cinven­Fonds haben in mehr als 50 Unternehmen in der DACH­Region investiert. In den vergangenen sieben Jahren haben die in Deutschland ansässigen Portfoliounternehmen der Cinven­Fonds 35 zusätzliche Akquisitionen getätigt und beschäftigen derzeit nahezu 31.000 Mitarbeiter.

Wir beide, Cinven und Advent, sind seit mehr als 20 Jahren in Deutschland vertreten. Wir sind tief im deutschen Markt verwurzelt – was noch viel mehr auch für unseren lokalen Partner, die RAG­Stiftung gilt.

Wir haben gehört, dass Sie mit der IG Metall eine so genannte Best­ und Fair­Owner­Vereinbarung unterzeichnet haben. Was bedeutet das für die Arbeitnehmer?

Bruno Schick: Arbeitsalltag und Arbeitsbedingungen werden sich durch die Übernahme und die Ausgliederung aus dem Unternehmen thyssenkrupp nicht verändern. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und wissen natürlich auch um unsere Verantwortung.

Ranjan Sen: Ein zentraler Bestandteil unserer Anlagephilosophie ist die Überzeugung, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das höchste Gut für ein Unternehmen sind. Wir werden daher auch stark in die Aus­ und Weiterbildung investieren.

Verkauf von Elevator: Beste Lösung für alle Beteiligten

Börsengang oder Verkauf – monatelang wurden beide Optionen vorbereitet. Nun ist klar: thyssenkrupp verkauft das Aufzuggeschäft für 17,2 Mrd € vollständig an ein Bieterkonsortium um Advent, Cinven und RAG­Stiftung. Wirksam wird der Verkauf voraussichtlich bis spätestens Ende September. Die Transaktion ist ein guter Tag für thyssenkrupp. Der Erlös ist höher, als von vielen erwartet. Dieser Mittelzufluss schafft die Voraussetzung, um das Unternehmen wieder erfolgreich zu machen. So kann thyssenkrupp seine Schulden und Pensionslasten deutlich reduzieren und zugleich in sinnvollem Umfang in die Transformation investieren. Mit dem Verkauf von Elevator verbessern sich die Zukunftsperspektiven für die verbleibenden Geschäfte und thyssenkrupp kann wieder Fahrt aufnehmen.

Dennoch geht thyssenkrupp diesen Schritt mit gemischten Gefühlen: Das Unternehmen trennt sich nur ungern von einem profitablen Geschäft. Zumal fast ein Drittel aller Mitarbeitenden an neue Eigentümer übergehen werden. Trotzdem: Der Vorstand ist überzeugt, dass der Verkauf die beste Lösung darstellt – sowohl für thyssenkrupp als auch für das Aufzuggeschäft selbst.

Der Aufsichtsrat hat der Entscheidung des Vorstands heute Abend zugestimmt. Die Großaktionäre stehen geschlossen hinter der Entscheidung.

Prof. Ursula Gather, Kuratoriumsvorsitzende der Krupp­Stiftung und Mitglied des Aufsichtsrats sagte: „Wir danken dem Vorstand und vor allem den am Verkaufsprozess beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die intensive Arbeit der letzten Monate. Die getroffene Entscheidung ist richtig, auch wenn es sehr schade ist, dass thyssenkrupp Elevator nicht im Konzern verbleiben kann. Der professionell gemanagte Prozess hat zu einem guten Ergebnis geführt. Der Vorstand hat jetzt die Aufgabe, die Erlöse rasch und gezielt so einzusetzen, dass das Unternehmen sich erfolgreich entwickeln kann. thyssenkrupp muss wieder wettbewerbs­ und dividendenfähig werden. Wir sind davon überzeugt, dass thyssenkrupp eine gute Zukunft haben wird. Die Stiftung wird Sie und Ihr Unternehmen weiter auf Ihrem Weg begleiten.“

Auch der zweite Großaktionär, Cevian Capital, begrüßte die Entscheidung. Lars Förberg, Mitgründer von Cevian Capital, sagte: „Mit dem Verkauf der Aufzugssparte gewinnt thyssenkrupp finanzielle Stärke und Flexibilität. Jeder einzelne Geschäftsbereich hat das Potenzial, sich schnell und grundlegend zu verbessern. Daher muss jetzt die uneingeschränkte Aufmerksamkeit darauf liegen, jedes Geschäft operativ stark und fit für die Zukunft zu machen. Cevian Capital unterstützt Martina Merz und ihr Team voll und ganz beim Restrukturierungsprozess, der die Bereiche zum langfristigen Nutzen aller Stakeholder wettbewerbsfähiger und erfolgreicher machen wird.“

Im Verkaufsprozess war dem Konzernvorstand wichtig, das Geschäft und die Mitarbeitenden in verantwortungsvolle Hände zu übergeben. Daher sind mit beiden finalen Bietern sogenannte Best­ und Fair­Owner­Gespräche geführt worden. In diesen Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern und IG Metall haben die Käufer weitreichende Standort­ und Beschäftigungsgarantien gegeben. Die Mitbestimmung bleibt gewahrt. Entsprechend zufrieden sind auch die Arbeitnehmervertreter mit der erzielten Lösung.

Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein­Westfalen: „Auf der einen Seite ist es bedauerlich, dass die Aufzugssparte nun nicht mehr Teil des thyssenkrupp­Konzerns ist. Aber in der jetzigen Situation ist der Verkauf der richtige Schritt, um für den Gesamtkonzern wieder Perspektiven aufzeigen zu können. Und gleichzeitig ist es für die Beschäftigten von tkE gut, dass sie jetzt endlich Sicherheit für ihre Zukunft haben. Die Fair­ und Best­Owner­Vereinbarung sichert langfristig Arbeitsplätze und Standorte und sorgt durch die Zusage von Investitionen in Innovationen für die Zukunftsfähigkeit der Aufzugssparte.“